Die einzigartige Pralinéschachtel
- semra

- 5. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Dez. 2025
Anfang dieses Jahres erhielt ich eine Anfrage, wie ich sie so nicht erwartet hatte. Eine liebe Mutter und herzliche Nani hatte eine Ausstellung besucht, bei der einige meiner Objekte gezeigt wurden. Kurz darauf schrieb sie mir: Ihr Sohn würde bald heiraten und sie suchte nach einem ganz besonderen Geschenk. Etwas Persönliches, Handgefertigtes.
Ihre Idee war so liebevoll wie traditionsreich: eine Pralinébox aus edlem Holz. Hinter diesem Wunsch stand eine ganz besondere Familiengeschichte. In dieser Familie ist es eine feste Tradition, dass zu Weihnachten immer gemeinsam eigene Pralinés kreiert werden. Diese handgemachten Köstlichkeiten brauchten nun einen würdigen Rahmen, der die Wärme dieser gemeinsamen Stunden einfängt und dem Brautpaar als bleibende Erinnerung an die familiäre Verbundenheit dienen soll.
Mein erster Gedanke? Eine Pralinébox? Spannend. Besonders. Ich begann mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich tauchte ein in eine Welt, die ich bis dahin nicht kannte – Verpackung, Aufbewahrung, Präsentation von Kleinem, Feinem. Und ich merkte bald: Da steckt sehr viel Potenzial drin. Wie entwirft man ein Objekt, das feine Pralinés nicht nur schützt, sondern sie würdig in Szene setzt? Das Wertigkeit vermittelt, ohne distanziert zu wirken? Etwas, das Genuss spürbar macht schon beim Öffnen der Box.
Wir diskutierten verschiedene Formen und Verbindungen, und wir fragten uns, wie die Haptik beim Abheben des Deckels sein sollte. Bei der Wahl des Holzes gingen wir auf Nussbaum. Dieses dunkle, elegante Holz, das schon durch seine Haptik eine Geschichte erzählt. Nussbaum ist kein Holz, das man achtlos benutzt. Es ist eines, das man gerne überreicht.
Es war kein klassisches Designproblem, das gelöst werden musste. Die Funktion war klar, das Objekt – eine Pralinébox – gibt es in unzähligen Varianten. Die eigentliche Herausforderung lag woanders: Etwas zu entwerfen, das man kennt, überall sieht und ihm dennoch eine neue, hochwertige Bedeutung zu geben. Es ging darum, einem Geschenk Wertigkeit zu verleihen, ohne dabei in dekorative Beliebigkeit zu verfallen.
Ich fuhr nach Amriswil mit einem leicht mulmigen Gefühl. Die Box war fertig, sorgfältig verarbeitet, die Übergabe geplant. Aber eines war noch offen: Wir hatten sie bis dahin nie mit echten Pralinés befüllt. Im Garten, bei herrlichem Wetter, war es dann so weit. Und tatsächlich: Ein Detail, das wir zuvor nicht exakt definiert hatten, machte sich nun bemerkbar. Die Anordnung stimmte nicht ganz, das Handling war nicht so stimmig, wie ich es mir gewünscht hätte.
Das ist Design: Es lebt von der Genauigkeit. Von Dingen, die andere nicht bemerken, die aber entscheidend sind. Also gingen wir in die nächste Runde. Überarbeiteten. Verfeinerten. Und fanden zur Lösung. Dafür brauchten wir allerdings ein paar selbstgemachte Pralinés meiner wunderbaren Ideengeberin – rein zu Testzwecken, versteht sich.
Was entstand, war nicht einfach eine Box. Sondern ein Objekt mit Bedeutung. Ein Hochzeitsgeschenk, das eine Geschichte erzählt – von Familie, von Handwerk, von Verbindung. Und auch für mich war es mehr als ein Auftrag.
Wenn ich heute darüber nachdenke, berührt mich, was aus dieser Idee geworden ist. Die Hüterin dieser schönen Familientradition wurde zu einer vertrauten Gesprächspartnerin und Wegbegleiterin. Heute fand ich eine Schachtel hausgemachter Pralinés von ihr im Briefkasten.




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